illust.de…

 

…zeichnet intelligente Illustration und schafft unverwechselbare Konzepte

…bringt komplizierte Sachverhalte auf den Punkt

…ist ein künstlerisch konzeptuelles Web-Projekt

…bietet ein Spektrum vom Wirtschaftsmagazin bis zur Rauminstallation

…entwickelt andere Ideen

…ist eine fiktive Illustratorengruppe, die sich 2004 aus 5 verschiedenen  Arbeitsansätzen der Künstlerin Christiane Strauss gründete

 

…sind Pablo Neva, Jeanne Kind, Merce Ouddorp, Ki Vasco, Jane Satur und Ingrita

…bietet networkingART, das Werbekonzept mit Lokalcolorit für kölsche Existenzgründer und Kleinunternehmen

…zeigt topfohnedeckel, das Webprojekt zum mitmachen

Ein Interview mit der Künstlerin und Initiatorin von illust.de, AmV und networkingART, topfunddeckel und topfohnedeckel

Sabine Kortland ist Online-Redakteurin, die diese Seite in Zusammenarbeit mit Christiane Strauss mit Freude erstellt hat und führte dieses Interview für ihre Bachelor-Arbeit:

Sabiko: Christiane Strauss, illust.de sorgte vor seinem relaunch für einige Verwirrung. Was und wer ist illust.de und welche Rolle spielst Du dabei?

Chris Strauss: Illust.de ist nach meinem Kunststudium geboren. Ich hatte durch Zufall einige hochkarätige illustrative Aufträge in der Werbebranche gezeichnet und schnell festgestellt, dass ich nicht nur Illustratorin bin, sondern gute eigene Ideen zum Thema habe und diese hin und wieder auch eine andere Herangehensweise verlangen. Für mich ist der so genannte Stil, Duktus, Linie, Farbigkeit zweitrangig und eine Festlegung darauf, nur weil das woanders gut funktioniert hat, schadet der Sache nur.

So habe ich 5 meiner unterschiedlichen Arbeitsansätze einfach fiktiven Zeichnern zugeordnet.

Sabiko: Wie unterscheiden sich diese Stile voneinander?

Chris Strauss: Auch hier ist nicht so sehr der Stil das, was die Einzelnen von einander unterscheidet, sondern, wie sie die Sache angehen.

Da ist Pablo Neva, ein wilder ungezogener Künstler, von dem man nie weiß, was man bekommt und immer mit dem Schlimmsten rechnen muss.

Eine zarte introvertierte Zeichnerin, Ki Vasco, die sehr verschlüsselt, fast eine Geheimsprache spricht.

Merce Ouddorp, die sehr klar, eher plakativ und grafisch arbeitet.

Und die Kinderbuch-Illustratorin Jeanne Kind, die mit viel Liebe zum Detail und ihrem kindlichem Humor bezaubert.

Zuletzt dann noch Jane Satur, die eigentlich Christiane Strauss hieß. Mit ihrem Fable für die wissenschaftliche Illustration und ihrer medizinischen Vorbildung kann sie ganz unkünstlerische, sachliche Bilder herstellen.

Neu dazu gekommen ist seit Kurzem, Ingrita, eine Häkel-Illustratorin, die nicht fiktiv ist. Sie hat den Stift gegen die Häkelnadel getauscht, erzeugt erstaunliche plastische Illustrationen und trifft in ihrer ungewöhnlichen Umsetzung den Nagel auf den Kopf.

Sabiko: Wie arbeitet es sich denn in so einer fiktiven Illustratorengruppe?

 

Chris Strauss: Eigentlich nicht viel anders als in realen Gruppen.

Es gibt unterschiedliche Ansätze und von denen profitieren die Anderen.

Mit der Erfindung der fiktiven Künstler habe ich mir die Möglichkeit bewahrt, so unbändig und rebellisch zu arbeiten wie Pablo Neva, wenn es das Thema aber verlangt, sehr zart und verspielt wie Jeanne Kind die Sache anzugehen. Wäre ich nur wie Pablo, hätte ich z.B. die Liebe zur sachlichen Illustration aufgeben müssen, könnte den stillen versponnenen Ideen der Ki Vasco nicht nachgehen und dürfte keine niedlichen Mäuschen mehr zeichnen.

Ich kann die verschiedenen Standpunkte meiner fiktiven Kollegen einnehmen, also jedes Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Und fühle mich sehr wohl mit dieser Art zu arbeiten.

Weil ich das ganze Team schon recht lange kenne, sorge ich auch mal für Abwechselung und hole jemand neues, eine reale Person dazu.

Einigen Aufwand bedeutet es allerdings, die Verunsicherung, die durch einen multiplen Arbeitsansatz erzeugt wird aus dem Weg zu räumen.

Meine Kunden haben die Vorteile schnell begriffen. Nur die neuen kriegen erstmal einen Schreck. Komischerweise ist gängige Meinung, man könne nur eine Sache gut machen. Vielseitigkeit erzeugt Misstrauen.

Sabiko: Bist Du denn jetzt Künstlerin oder Illustratorin?

Chris Strauss: Ich hoffe immer noch, dass sich diese Trennung zwischen angewandter und freier Kunst mal aufhebt. Wem dienen diese Kategorien? Wie frei ist die Kunst eigentlich, wenn sie angewandt nicht mehr als freie Kunst bezeichnet werden darf?

Das Konzept von illust.de ist ein künstlerisches, auch, wenn dieses Konstrukt, welches eigentlich nur Hilfsmittel war, sich in der Realität behauptet. Jeder Besucher der Homepage darf sich selbst entscheiden, welche Künstler Illustratoren sind und welche Illustration zu künstlerisch ist.

Sabiko: Was ist denn nun topfohnedeckel? Und was ist NetworkingART?

Chris Strauss: topfohnedeckel ist ein Nachfolger der topfunddeckel-Illustration. Sie ist nach meinem zweiten Studium bei Wolf Erlbruch in Wuppertal entstanden. Ich habe mit meiner damaligen Kollegin Vera Langmann, die nach Madrid gegangen ist, einen zeichnerischen Dialog geführt. Das war eine sehr schöne Arbeit, die ich dann nachdem sie sich gegen diesen Beruf entschieden hatte, als topfohnedeckel mit verändertem Ansatz weitergeführt habe. Dort finden sich immer wieder neue Projekte, die dieses dialogische Prinzip und die Arbeit mit dem gelenkten Zufall verfolgen.

NetworkingART ist ein Werbekonzept auf dieser Basis.

Hier haben Existenzgründer und Kleinunternehmer die Möglichkeit auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen und sich gleichzeitig miteinander zu vernetzen. Das Konzept habe ich zusammen mit Thorsten U. Hülsberg entwickelt, der hier seine Erfahrungen als manischer Blogger einbringt.

Die Geschichte entsteht aus den spezifischen Modulen, die jedes dazu stoßende Unternehmen beisteuert.

Zwei illust-Charaktere treiben die Geschichte voran, indem sie sich die Bälle zuspielen. Die Fortsetzung ist immer auf einer anderen Internetpräsenz der Beteiligten zu finden.

Sabiko:Danke!

Chris Strauss: Bitte;))